Doppelgänger!

26.08.2016


Letzte Woche auf der Gerschnialp oberhalb von Engelberg.
Wir kamen am späten Nachmittag von einer Wanderung zurück.
Im Zauberwald, der mich etwas an die Wälder in Schweden erinnerte, sahen wir plötzlich Pilze.
Dann der begeisterte Ausruf von Pilzkenner Hausmann Hanna:

"Steinpilze!"



Ich weiss, ich weiss, Pilze sollten n i e in Plastik eingepackt werden. Aber da es nur noch knappe fünf Minuten bis zum Hotel dauerte, war der Plastikbeutel zum Aufbewahren völlig in Ordnung.
Der Besitzer des Hotels, der zugleich auch der Koch war, kam in die Gaststube, und wir übergaben ihm den kostbaren Fund für das Nachtessen.
Dann die grosse Ernüchterung: "Steinpilze?" lachte er, "versuchen Sie mal!"
Hausmann Hanna zupfte sich ein Stückchen aus einem der Pilze heraus und schob es in den Mund.
Verzog das Gesicht. Und alles war klar.
Es waren Gallenröhrlinge. Die bitteren Doppelgänger des Steinpilzes.
Der Koch verschwand kurz in der Küche und kam zurück mit einem kleinen Korb voller selbstgepflückter Pilze.

PS. Zum Abendessen gab es dann Rahmschnitzel mit Eierschwämmchen. Und Steinpilzen;)
PPS. Das Essen hat sehr fein geschmeckt!


Vorfreude verbindet

25.08.2016



"Das Schöne am Herbst: Ich kann wieder Wollpullover tragen und drinnen gemütliche Stunden mit Lesen verbringen!"

Ausspruch einer Schwedischteilnehmerin (26 J.) in dieser Woche.


Stubenstillleben im Dorfmuseum Engelberg


PS. Ich habe ihr, meiner jungen Seelenverwandten, aus vollem Herzen zugestimmt...

Ungerades gerade stehen lassen...

23.08.2016


Der Titlis oberhalb von Engelberg zieht mit seinem erschlossenen Gletscher unzählige Touristen aus Indien, China und den Ölstaaten magisch an...



Wir liessen den Berg ohne Bedauern links liegen und machten an der Mittelstation einen Schwenker nach rechts...


Der Trübsee lag still und klar vor uns. Wir waren (fast) allein unterwegs...



Nur hin und wieder blickte uns ein ruhig daliegendes Rindvieh an.
Rainer Brambachs Gedicht kam mir in den Sinn.
Und wir liessen "eins, drei oder fünf als gerade Zahl stehen"...

PS.  Zum besseren Verständnis (und weil es mir so sehr gefällt) hier das ganze Gedicht:

Manchmal nicht mehr dabeisein wollen
sich seitwärts in die Büsche schlagen
an so manchem Rindvieh vorbei - 
Dann zeitlos im Holunderschatten liegen
und eins drei oder fünf
als gerade Zahl stehen lassen.


Rainer Brambach, 1917-1983


Josephs Höllenfahrt!

22.08.2016


Heute vor einer Woche. Ein gewöhnlicher Montag.
Trotzdem wimmelte es in den Bahnen, Gaststätten und auf den Wanderwegen von jungen und älteren Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern.
Eine Frau aus der Gegend, die mit ihrer Familie unterwegs war, klärte uns auf:
Heute sei 'Mariä Himmelfahrt', ein katholischer Feiertag, an dem alle frei hätten.
Nun war es klar!
Wir machten eine einfache Wanderung. Der Weg war gekennzeichnet als Wanderweg.
Bei einer Abzweigung hielten wir an, um uns zu orientieren.
Wie aus heiterem Himmel (so erschien es zumindest) raste plötzlich ein Mountainbiker den steilen, den Wanderern vorbehaltenen Hang hinunter.
"Gopfer!" entfuhr es mir sehr laut.
Der Biker, ein Mann anfangs 50, bremste und hielt an.
"Haben Sie ein Problem?" fragte er provokativ.
"Ja!" sagte ich, "das hier ist ein Wanderweg, und Sie haben mich soeben sehr erschreckt mit Ihrer rasanten Talfahrt!"
Das war wohl zuviel.
Der Mann verlor die Contenance und erklärte mir seine Bikerwelt.
Ein Seitenhieb auf  'diese Basler', die immer alles besser wüssten und sich aufspielten, war auch noch inbegriffen.
Ich liess ihn reden.
Als er auf seinem Bike davonjagte, dachte ich: "Weshalb wusste der bloss, dass ich aus Basel komme?"


Alte Grabstätte auf dem Engelberger Friedhof


PS. Es brauchte etwas Zeit und leichtes Grübeln, dann jedoch löste sich das Rätsel!
PPS.Überall in der Deutschschweiz sagt man entweder "ja!" oder "jo!"
PPPS. Ich jedoch hatte mit "jä!" geantwortet.
PPPPS. Und "jä!" sagt man nur in einer Gegend. Und das ist in Basel... ;)

Reisepause zwischen zwei Haltestellen

21.08.2016


Der Massentourismus in Engelberg war gewöhnungsbedürftig.
Er führte jedoch auch zu Heiterkeitsausbrüchen.
Etwa bei dieser Reisegruppe aus Asien, die sich höchstens fünf Minuten vor dem Klostereingang aufhielt.
Niemand tat einen Schritt, niemand warf einen Blick in die schöne Klosteranlage.
Alle benützten das Päuschen, um sich in Szene zu setzen für Erinnerungsbilder oder machten Selfies.
Die ganze Zeit wartete der grosse Reisebus nur ein paar Meter entfernt auf sie.
Ein Bild noch. Dann sprintete auch der Letzte davon.
Es war übrigens der Mann ganz rechts mit den Slippers und der grossen Umhängetasche...




Das wirklich allerletzte Bild...




Dann der Kontrollblick des Reiseleiters. Und weiter ging es.  Zur nächsten Destination...





Zwischen zwei Haltestellen (89)

20.08.2016


9.04 Uhr.
Im ICN nach Luzern, der in Olten und Luzern hält und dann weiter fährt in den Kanton Tessin.
Zwei ältere Ehepaare steigen ein und machen es sich bequem im Abteil uns gegenüber.
Sie haben wenig Gepäck bei sich. Tagesausflügler, die im Besitze einer ab 9.00 Uhr gültigen Tageskarte sind, wie ich vermute.
Ich lese die Zeitung.
Plötzlich schrecke ich hoch.
Ein Natel klingelt, und unser Nachbar gegenüber schreit: "Friedrich?"
Dann ist wieder Ruhe. Der Kontakt scheint unterbrochen.
Nun ist er an der Reihe und ruft zurück: "Friedrich! Ich bin's! Wir sitzen im Zug! Wir gehen heute nach Ascona! Mittagessen! Risotto oder Pizza! Wir hören uns dann!"
Still beeindruckt denke ich (und später sage ich es auch laut zu Hausmann Hanna): "Basel - Ascona! Für ein Mittagessen! Und dann wieder zurück! Und das alles an einem Tag!"


Grasende Kuh beim Trübsee oberhalb von Engelberg



PS. Zum besseren Verständnis: Eine einfache Fahrt von Basel nach Ascona am Lago Maggiore dauert gut vier Stunden... 


Einmal wieder Bergluft atmen...

14.08.2016




'Ich werde Basel
immer wohl
wollen.'

Erasmus





PS. Ich auch!
PPS. Auch wenn ich die nächsten Tage weg bin. In den Bergen übrigens.
PPPS. Bevor ich jetzt gleich den Rucksack packen gehe, lasse ich für alle, die hier vorbeikommen, einen Gruss da :)